wird geladen
Aktuelles Forschungsthema

Warm, kalt, klimafreundlich: Wie die Energieforschung die Wärmewende vorantreibt

Die Klimaziele verändern, wie in Deutschland geheizt wird. Damit die Preise nicht steigen und die Versorgung noch sicherer wird, arbeitet die Energieforschung an Innovationen für Wärme und Kälte, die schnell umsetzbar sind – über Sektor- und Landesgrenzen hinweg.

Nahaufnahme eines Heizkörperthermostats. (Symbolbild) © SINNBILD Design – adobe.stock.com
Angenehme Temperaturen, so einfach wie möglich: Das ist auch das Ziel der angewandten Energieforschung.

Im Sommer surrt die Klimaanlage, im Winter klopft die Heizung: Beim Wärme- und Kälteverbrauch denken wir oft an unsere Wohnung oder eine warme Dusche – seltener an den Wärmebedarf von Handel, Gewerbe oder Industrie. Doch alle brauchen Wärme, sie machte 2023 nach Zahlen des Umweltbundesamts rund 56 Prozent des deutschen End-Energieverbrauchs aus. Etwa die Hälfte entfällt dabei auf die beschriebene Raumwärme. Knapp ein Drittel macht Prozesswärme aus, die die Industrie beispielsweise für Produktionsprozesse benötigt. Der Rest entfällt auf Warmwasser und Kälte. Erneuerbare Energien decken dabei bislang nur 18 Prozent dieses Energieverbrauchs. Und: Immer noch entstehen rund 40 Prozent aller Treibhausgasemissionen im Wärmemarkt.

Die Wärmewende, also der Wandel hin zu einer klimaneutralen Wärmeversorgung, ist eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Energiewende. Dazu muss der Wärmebedarf sinken, Wärme- und Kälte-Technologien müssen effizienter werden und die Versorgung auf erneuerbare Energiequellen und Abwärme umgestellt werden. Die Bundesregierung hat bereits 2022 beschlossen, den Anteil klimaneutraler Wärme noch einmal zügiger und deutlicher zu erhöhen.

@energieforschung

Mission Wärmewende: Der Weg zur nachhaltigen Wärmeversorgung

Grundlagen dafür hat das Energieforschungsprogramm (EFP) im Rahmen der Projektförderung bereits gelegt. Darüber hinaus muss die Branche neue Technologien entwickeln, Fertigungen aufbauen, Kosten reduzieren und Abhängigkeiten verringern. Dazu hatte das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWE) im Rahmen der Forschungsinitiative Wärmewende einen Förderaufruf zu klimaneutraler Wärme und Kälte veröffentlicht, dem zahlreiche Unternehmen und Institutionen gefolgt sind. Die Ergebnisse sind in das 8. Energieforschungsprogramm der angewandten Energieforschung des BMWE eingeflossen und führten zur Mission Wärmewände, einem Schwerpunkt des Programms. Dessen Ziel: Forschungsergebnisse schneller zu hohen Reifegraden und in die breite Anwendung bringen.

Wärmepumpen: Vom Einfamilienhaus zum Fernwärmenetz

Eine Wärmepumpe, die im Rahmen des Forschungsprojekts „Smartes Quartier Karlsruhe-Durlach“ eingebaut wurde. © Manuel Lämmle | Fraunhofer ISE
Wärmepumpe, die im Rahmen des BMWE-geförderten Projekts „Smartes Quartier Karlsruhe-Durlach“ eingebaut wurde. Bei diesem wurden fünf Bestands-Mehrfamilienhäuser auf eine klimafreundliche, netzdienliche Wärmeversorgung umgerüstet.

Eine der für die Energiewende relevanten Technologien ist die Wärmepumpe. Sie nimmt Wärme aus Luft, Wasser oder Erdreich auf und hebt sie mit Strom auf das gewünschte Temperaturniveau. Insbesondere ihr Einsatz für die Elektrifizierung der Wärmeversorgung von Gebäuden und Industrie verspricht beträchtliches CO2-Einsparungspotenzial, das beforscht wird. Forschende schauen zudem darauf, wie sich Betriebs- und Fertigungskosten senken und Wärmepumpen energetisch oder auch akustisch optimieren lassen. 

Forschungsprojekte zum Thema Wärmepumpe

16.07.2025 News

Wärmepumpen schneller einbauen

Im Forschungsprojekt WESPE arbeiten Handwerk und Wissenschaft zusammen an einer Plattform für schnelleren Wärmepumpeneinbau.

mehr

29.10.2024

Mehr Wärmepumpen für Mehrfamilienhäuser

Bislang werden nur wenige Mehrfamilien-Bestandsbauten mit Wärmepumpen beheizt. Wie sich dies ändern kann, zeigen verschiedene Forschungsprojekte.

mehr

04.12.2024 News

Wärmepumpen: Tool vergleicht Energieeffizienz und Kosten

Ein neues Tool zeigt, dass die bislang wenig verbreitete Kombination von photovoltaisch-thermischen Kollektoren und Wärmepumpen konkurrenzfähig ist.

mehr

17.04.2024 News

Mit Großwärmepumpen CO2 einsparen

Gleich an fünf Kraftwerksstandorten werden im Reallabor der Energiewende „GWP“ Großwärmepumpen installiert, um CO2 in der Fernwärme einzusparen.

mehr

29.06.2022

Wärmepumpen im Mehrfamilienhausbestand: Über 50 Prozent CO₂-Einsparungen möglich

Klimafreundlicher und unabhängiger von fossilen Energieträgern heizen: Wie dies möglich ist, haben Forschende im Projekt „LowEx Bestand“ untersucht.

mehr

11.10.2021

Großwärmepumpen in deutschen Fernwärmenetzen

Mit treibhausgasfreiem Strom betriebene Großwärmepumpen könnten dazu beitragen, die CO2-Emissionen in der Wärmeversorgung zu verringern.

mehr

Im Gebäude- und Quartiersbereich und damit verbundenen Wärmenetzen und Speichern sind Technologien zur Energieeinsparung oder intelligenten Regelung in Innenräumen gefragt. Diese müssen zusammengedacht und -gebracht werden. Bei Bestandsgebäuden bieten beispielsweise Sanierungen ein hohes Einsparpotenzial. Die digitale Infrastruktur in den komplexen Wärmesystemen muss ebenfalls optimiert werden, etwa bei Betriebsführung, Diagnosen oder Auswertung. Nicht zuletzt braucht es weitere innovative Materialien und die Reduktion der „grauen Energie“ der Werkstoffe, also der Emissionen über den gesamten Lebenszyklus inklusive Herstellung und Entsorgung. Erst damit ließe sich komplette Klimaneutralität erreichen.

Rohrbögen einer Fernwärmeleitung. © Kara – stock.adobe.com
Rohrbögen einer Fernwärmeleitung.

Der Wärmesektor ist vielfältig: Wärmequellen und -bedarfe unterscheiden sich hinsichtlich des Temperaturniveaus, der Verfügbarkeit oder Nutzbarkeit. Regionale Besonderheiten und verschiedene Netztypen stellen eigene Anforderungen. Niedertemperaturnetze beispielsweise könnten dem begegnen und im Zusammenspiel mit Wärmepumpen als besonders effiziente Wärmequelle für unterschiedliche Gebäude und Temperaturbedarfe dienen. Denn je geringer die Temperaturunterschiede zwischen Wärmeträger und Umgebung sind, desto geringer ist der Wärmeverlust bei Transport oder Speicherung. Betrachtet man ganze Quartiere, können leistungsstarke Wärmepumpen effizient mehrere Wohnungen mit Wärme versorgen, so wie Großwärmepumpen die Defossiliserung der Fernwärmenetze vorantreiben können.

Dafür sind auch effiziente und kostengünstige Wärmespeicher eine Grundvoraussetzung. Unter den derzeit betrachteten Technologien sind sogenannte sensible Speicher (mit spürbaren Temperaturveränderungen, wie etwa Aquifer- und Erdbeckenspeicher), latente Speicher (bei denen beispielsweise ein Phasenwechsel wie im Wärmekissen stattfindet) und thermo-chemische Speicher. Die Entwicklungen decken verschiedene Temperaturniveaus und Leistungsgrößen ab. Zudem achten Forschende auf Langzeitstabilität, Nachhaltigkeit und die Möglichkeit, Materialien kritischer Herkunft zu ersetzen.

Forschungsprojekte zum Gebäuden, Quartieren, Netzen und Speichern

19.10.2023

Unterirdischer Speicher sorgt für klimafreundliche Wärme

Ein 400 m tiefer Aquiferspeicher kombiniert mit einem innovativen Wärmepumpensystem macht erneuerbare Energie aus dem Sommer für den Winter nutzbar.

mehr

12.08.2024

Wie innovative Dämmstoffe Gebäude energieeffizienter machen

Die Wärmedämmung aus nachhaltigen Materialien ist ein zentraler Baustein der Energiewende. Diese Projekte arbeiten an neuen Lösungen.

mehr

17.01.2025

Vakuum-Speicher reduziert thermische Verluste

Im Projekt StoEx2 ist ein Speicher mit Vakuum-Perlit-Dämmung entstanden. Dieser kann Wärme- und Kälteverluste deutlich senken.

mehr

30.01.2024 News

Wie Rechenzentren Heizwärme liefern können

Mit zunehmender Digitalisierung steigt die Anzahl der Rechenzentren in Deutschland – und auch deren Stromverbrauch.

mehr

14.12.2023

Selbstregulierendes Fensterglas reduziert Kühlbedarf

Selbstregulierendes Fensterglas kann eine Alternative zu außenliegenden Verschattungssystemen sein.

mehr

30.10.2024 News

Wärmespeicher: Fünf Millionen Liter für den Klimaschutz

Der neue Multifunktionswärmespeicher soll Abwärme aus dem benachbarten Stahlwerk speichern und bei Bedarf ins Fernwärmenetz einspeisen.

mehr

Industrie-Innovationen für unterschiedliche Temperaturen

In der Industrie ist Prozesswärme für einen großen Teil der CO2-Emissionen verantwortlich. Die Temperaturniveaus sind dabei oft deutlich höher als im Gebäude- und Quartiersbereich, weshalb meist maßgeschneiderte Ansätze erforderlich sind. Über ein Drittel der Prozesswärme liegt derzeit bei über 1000 Grad Celsius, beispielsweise in der Metallerzeugung oder der Zementherstellung. Biogene Brennstoffe sowie zukünftig grüner Wasserstoff und daraus abgeleitete synthetische Brennstoffe sollen die Prozessemissionen reduzieren. Aber auch das Senken der Prozesstemperaturen ist ein Forschungsziel, dem sich derzeit mehrere Forschungsprojekte widmen. Oft kann damit eine Elektrifizierung der Prozesse einhergehen.

@energieforschung

Wärmepumpen: Wo steht die Industrie beim Thema klimafreundliche Wärme?

Ist das nicht möglich, müssen komplett neue Produktionsprozesse entwickelt werden. Dabei achten Forschende darauf, dass die Abwärme genutzt wird, etwa in anderen Produktionsschritten oder als Raumwärme. Industrieanlagen sollen ohnehin netzdienlicher als bisher arbeiten – nicht nur über ein stromnetzorientiertes Lastmanagement, sondern auch durch die Ein- und Auskoppelung von Wärme und Kälte etwa für Gewerbe oder Quartiere. Gerade im Bereich der niedrigen Abwärmetemperaturen und bei Wärmekaskaden gibt es hierfür deutschlandweit große Potenziale.

Forschungsprojekte zum Thema Industrie und Gewerbe

23.05.2025

Wasserstoff trifft Hochtemperatur: Stahl, Ziegel und Glas klimafreundlich produzieren

Vier Forschungsprojekte zeigen, wie sich die Glas-, Keramik- und Stahlproduktion mithilfe von Wasserstoff und Strom CO2-arm gestalten lassen.

mehr

15.02.2024 News

Anlagen passgenau für erneuerbare Wärmeversorgung auslegen

Forschende haben den Wärmeverbrauch von 797 Unternehmen in Deutschland untersucht. Die Erkenntnisse erleichtern eine erneuerbare Wärmeversorgung.

mehr

03.11.2022

Wo die ungenutzte Wärmeenergie der deutschen Industrie schlummert

Ein Forschungsteam hat industrielle Abwärme genau unter die Lupe genommen. Denn verstecktes Potenzial gibt es in den unterschiedlichsten Prozessen.

mehr

26.09.2023 News

Wärmequellen und -senken intelligent miteinander koppeln

Wärme und Kälte effizienter in der Lebensmittelindustrie zu nutzen sowie Abwärmeströme zu verwenden, ist Ziel im Forschungsprojekt FoodPinch.

mehr

Stabile Wärmenetze dank innovativer Technologien

Der leitungsgebundenen Wärmeversorgung kommt aufgrund ihres Potenzials zur Integration erneuerbarer Energien eine entscheidende Rolle im Wärmesektor zu. Die Regelung, Betriebsführung und Optimierung solcher Netze sind Schwerpunkte der aktuellen Forschung. Denn künftig werden unterschiedliche Technologien in Wärmenetze integriert und die Netze abhängig sowohl vom Bedarf als auch vom Angebot erneuerbarer Energien betrieben. Überschüssiger Strom lässt sich in Wärme oder Kälte umwandeln und nutzen oder speichern, was für eine vollständig regenerative Wärme- und Kälteversorgung notwendig ist.

Die Geothermie ist in diesem Zusammenhang nicht nur als grundlastfähige Wärmequelle von Bedeutung, sondern kann mithilfe der großen unterirdischen Speichermöglichkeiten potenziell ebenfalls einen Beitrag zur saisonalen Langzeitspeicherung – und damit auch zu höherer Versorgungssicherheit – leisten.

@energieforschung

Erfolgreiche Geothermiebohrung: Heißes Thermalwasser aus der Tiefe

Forschungsprojekte zum Thema Geothermie

15.07.2025 News

Neues Gesetz soll Geothermie-Ausbau deutlich beschleunigen

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) hat einen Entwurf für ein Geothermie-Beschleunigungsgesetz vorgelegt.

mehr

10.06.2025 News

Erfolg bei Geothermiebohrung in Niedersachsen: Große Mengen heißes Thermalwasser gefördert

Fördertests von Thermalwasser aus Tiefen von rund 2.500 Metern im niedersächsischen Ahnsbeck deuten auf ein sehr gutes geothermisches Reservoir hin.

mehr

13.02.2025 News

Geothermie-Anlage sorgt für klimafreundliche Wärme in Schwerin

Seit vergangenem Oktober liefert eine deutschlandweit besondere Geothermie-Anlage umweltfreundliche Wärme für die Stadt Schwerin.

mehr

Dank der Energieforschung ist bereits ein tiefgreifendes Verständnis für Einzeltechnologien vorhanden. Doch ohne hohe Investitionen lassen sich diese nicht praktisch nutzen; die Amortisationszeiten und Nutzungsdauern sind lang. Forschungsergebnisse müssen künftig in der Praxis und im industriellen Maßstab geprüft werden, wie es etwa bei den Reallaboren der Energiewende passiert.

Erprobung in unterschiedlichen Maßstäben

Ein Handwerker wartet eine Klimaanlage; der Kälteversorgung kommt eine zunehmend wichtige Rolle zu. © Wellnhofer Designs – stock.adobe.com
Die Kälteversorgung spielt zunehmend eine wichtigere Rolle in der deutschen Energielandschaft.

Die Erprobung in Demonstrations- und Modellprojekten ermöglicht, komplexe dynamische Systeme mit vielfältigen, teils schwankenden Ein- und Auskopplungen von Wärme und Kälte, Elektrizität und Stoffströmen entstehen zu lassen. Erfolgreiche Demonstrationsprojekte schaffen breites Vertrauen in die Technik und regen damit weitere Akteure zur Nachahmung an – und bedingen darüber hinaus den Ergebnistransfer in die Gesellschaft.

Einen weiteren Beitrag zur schnellen Umsetzung von Forschung liefern die sogenannten Mikroprojekte des BMWE. Mikroprojekte grenzen sich von den bestehenden Formaten durch den Fokus auf eine schnelle praktische Verwendung der Projektergebnisse und kurze Projektlaufzeiten ab. Mit diesen kleineren Projekten können kleine und mittlere Unternehmen die Marktreife neuer Technologien vorantreiben. Auch ist die bessere Vorbereitung weiterer Forschungsaktivitäten durch umfangreiche Machbarkeitsanalysen möglich. Gerade Start-ups, die den Aufwand der Vorplanungen bislang nicht stemmen konnten, können nun Teil solcher Projekte werden und dank eines einstufigen Antragsverfahrens schneller starten.

Eine effiziente und zielgerichtete Forschungsförderung schafft schon jetzt Vertrauen bei den Fachleuten in der Branche, langfristig auch bei Bürgerinnen und Bürgern. Sie ermöglicht neue Geschäftsmodelle und ein schnelleres Ende der Nutzung fossiler Brennstoffe in Deutschland, was auch über Landesgrenzen hinweg Innovationen fördert. Ein starker Forschungsstandort, der innovative Wärme- und Kälte-Technologien entwickelt und auf den internationalen Markt bringt, sorgt schließlich nicht nur für Komfort in den eigenen vier Wänden, sondern ist auch ein relevanter Wirtschaftsfaktor. (pj)