© dena / Claudius Pflug
2. Kongress der H2-Reallabore
Reallabore liefern wichtige Ansätze für den Wasserstoffhochlauf
Vor fünf Jahren starteten die ersten Reallabore der Energiewende mit Fokus auf Wasserstoff. Einen ersten Blick zurück, auf Erfolge, den Markthochlauf und vor allem auf anstehende Herausforderung warfen die Teilnehmenden des 2. Kongresses der H2-Reallabore.
Als eine Maßnahme der Nationalen Wasserstoffstrategie der Bundesregierung startete ein Großteil der neun Reallabore der Energiewende mit Fokus Wasserstoff zwischen 2020 und 2022. Zu dieser Zeit „agierten die Reallabore in einem weitgehend unklaren Rechtsrahmen, vor allem im Hinblick auf die Definition von erneuerbarem Wasserstoff“. So steht es im Bericht des Transferforschungsprojekts Trans4ReaL, der anlässlich des Abschlusskongresses am 12. Mai 2026 in Berlin veröffentlicht wurde.
Regulatorische Entwicklungen wie die Anerkennung und Zertifizierung von Wasserstoff auf Grundlage von erneuerbaren Energien zogen schließlich verzögerte Investitionsentscheidungen in mehreren Reallaboren nach sich. Im Reallabor Energiepark Bad Lauchstädt fiel beispielsweise 2023 die Entscheidung für einen 30-Megawatt(MW)-Elektrolyseur, im Projekt Trailblazer wurde in einen 20-MW-Elektrolyseur investiert. Weitere Anlagen sind in anderen Vorhaben in Betrieb genommen wurden beziehungsweise in der Umsetzung. Gleichzeitig sahen manche Projektverantwortliche auch von Investitionen in die Wasserstoffproduktion ab.
Herausforderungen bei Kosten, Nachfrage und Infrastruktur
Einig waren sich die Kongress-Teilnehmenden, dass der flächendeckende Wasserstoffhochlauf nicht primär von Technik und Entwicklung abhänge, sondern wesentlich durch regulatorische Unsicherheiten sowie mangelnde Wirtschaftlichkeit beeinflusst werde.
Erneuerbaren Wasserstoff zu produzieren, ist weiterhin deutlich teurer als auf fossile Energieträger zu setzen. Noch gehen die Zahlungsbereitschaft von Industrie, Verkehr und Energiesektor auf der einen und die hohen Produktionskosten auf der anderen Seite zu weit auseinander, was den Abschluss von langfristigen Liefer- und Abnahmeverträgen erschwert. Wasserstoff kann zudem nur dann gehandelt und eingesetzt werden, wenn eine geeignete
Infrastruktur dafür besteht. Laut dem Trans4ReaL-Bericht blieben jedoch Unsicherheiten in Bezug auf Dimensionierung und zeitgerechter Realisierung des Wasserstoffkernnetzes und Speicherlösungen.
© dena / Claudius Pflug
Wertvolle Learnings aus den Reallaboren
Wasserstoff-Innovationen unter realen Bedingungen zu erproben und deren Skalierung im industriellen Maßstab zu ermöglichen – darin liegt der zentrale Mehrwert des Förderformats der Wasserstoffreallabore. Auch wenn viele Projekte mit regulatorischen, wirtschaftlichen und infrastrukturellen Herausforderungen konfrontiert waren, hätten die Reallabore wichtige praktische Erkenntnisse für den weiteren Wasserstoffhochlauf geliefert: Sie haben sichtbar gemacht, welche technologischen Ansätze tragfähig sind, wo bestehende Rahmenbedingungen den Fortschritt bremsen und an welchen Stellen weiterer Handlungsbedarf besteht, so eine zentrale Erkenntnis des Trans4ReaL-Berichts. (em)