© Projektträger Jülich / Forschungszentrum Jülich GmbH
Resilienz, Innovationswettbewerb und aktuelle Herausforderungen
Das waren die Berliner Energietage 2026
Mit eigenen Veranstaltungen beteiligte sich das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) an den Berliner Energietagen und trug zur Debatte bei, wie das Energiesystem weiter modernisiert werden kann.
Im April digital und im Mai vor Ort im Ludwig-Erhard-Haus fanden die Berliner Energietage statt. Geopolitische Konflikte und Unsicherheiten im Hinblick auf die Versorgungssicherheit und ökonomische Abhängigkeiten stellen die Energiebranche aktuell vor zahlreiche Herausforderungen, was für viel Diskussionsstoff sorgte.
Eigene BMWE-Sessions setzten wichtige Impulse mit dem Start des Innovationswettbewerbs Energiequartiere, einem Einblick in aktuelle Herausforderungen der Erneuerbaren Energien, der Vorstellung geplanter Neuerungen des zentralen Informationssystems der Energieforschung EnArgus und einer Diskussionsrunde zur Resilienz des Energiesystems via Vor-Ort-Wasserstoff-Anlagen.
Mit der Session „Aktuelle Herausforderungen der Erneuerbaren Energien“ eröffnete das BMWE den digitalen Teil der Berliner Energietage. Die Veranstaltung machte deutlich, wie breit das Spektrum aktueller Energieforschung aufgestellt ist – von geothermischen Speichern über Offshore-Windenergie bis hin zu neuen Materialien und Herstellungsverfahren in der Photovoltaik.
Im Mittelpunkt standen dabei weniger Einzeltechnologien als vielmehr Fragen der Systemintegration, Resilienz und Kreislaufwirtschaft. Beiträge von Nachwuchsforschenden zeigten, dass viele Herausforderungen der Modernisierung des Energiesystems erst im Zusammenspiel unterschiedlicher Systeme, Infrastrukturen und Materialkreisläufe sichtbar werden. Diskutiert haben die Teilnehmenden unter anderem über geologische Speicherprozesse, Recyclingverfahren für Rotorblätter, Offshore-Infrastrukturen sowie ressourcenschonende Ansätze in der Solarzellenproduktion.
Gleichzeitig wurde deutlich, dass Energieforschung nicht nur auf Effizienzsteigerungen abzielt, sondern zunehmend auch Fragen der Skalierung, Langzeitstabilität und Umsetzbarkeit adressiert. Die vorgestellten Projekte verbanden Grundlagenforschung mit konkreten Anwendungen und zeigten, wie technische Lösungen unter realen Bedingungen weiterentwickelt werden können. Den gesamten Bericht der Veranstaltung gibt es hier.
Innovationswettbewerb fördert Lösungen für klimaverträgliche und resiliente Bestandsquartiere
Mit dem „Innovationswettbewerb Energiequartiere“ stellte das BMWE auf den Berliner Energietagen ein neues Förderformat vor, in dem integrierte Lösungen für klimaverträgliche und resiliente Bestandsquartiere erarbeitet, umgesetzt und optimiert werden sollen. Im Mittelpunkt der Session stand die Frage, wie technische, ökonomische und gesellschaftliche Anforderungen auf Quartiersebene zusammengeführt werden können.
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Die Beiträge aus Forschung, Energie- und Immobilienwirtschaft machten deutlich, dass der Wandel des Gebäudebestands zu mehr Effizienz, Resilienz und Klimaverträglichkeit nur mit systemischen Ansätzen gelingen kann. Diskutiert wurde über Wärmenetze, intelligente Steuerungs- und Messsysteme, Fragen der Bezahlbarkeit sowie regulatorische Rahmenbedingungen. Gleichzeitig hob die Veranstaltung hervor, dass Quartiere die Möglichkeit bieten, unterschiedliche Infrastrukturen und Akteursgruppen gemeinsam zu denken und Lösungen unter realen Bedingungen zu erproben.
Das Wettbewerbsformat zielt auf Langfristigkeit: Über die drei Phasen DESIGN, BUILD und OPERATE hinweg sollen Projekte nicht nur entwickelt und umgesetzt, sondern auch im Betrieb evaluiert und weiter optimiert werden. Die Einbindung in ein Exzellenznetzwerk soll zusätzlich den Austausch zwischen den Teilnehmenden stärken und den Transfer erfolgreicher Ansätze unterstützen. Weitere Information zum Innovationswettbewerb lesen Sie hier.
EnArgus mit neuer Suche, ausgebautem Wiki und dem Einsatz von KI
EnArgus ist seit mehr als zehn Jahren das zentrale Informationssystem zur Energieforschung der Bundesregierung. Unternehmen nutzen die Plattform, um nach Kooperationspartnern zu recherchieren, Forschende verschaffen sich einen Überblick über Forschungsinhalte und die Öffentlichkeit findet transparente Informationen zur Verwendung von Fördermitteln. Außerdem werden auf der Plattform Begriffe zur Energieforschung verständlich erklärt.
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Im Rahmen der Berliner Energietage berichteten Mitglieder des vom BMWE geförderten interdisziplinären Forschungsprojekts EnArgus 3.0, wie die Plattform bis 2027 weiterentwickelt wird, um neue Themen und Schwerpunkte der Energieforschung aufzugreifen und mit dem technischen Fortschritt mitzugehen.
Entwicklungspotenzial sehen die Fachexperten vom Projektträger Jülich (PtJ), Fraunhofer ISI, der TU Ilmenau und der TU Darmstadt vor allem in der Einbindung künstlicher Intelligenz, in Anpassungen an neue und veränderte Themen bzw. Begriffe im Bereich Energieforschung und in aktuellen Nutzungsgewohnheiten. Das Ergebnis: Eine treffsicherere und intelligentere Suche, unter anderem durch KI-gestützte Suchsysteme, 2.300 neue Artikel im Wiki und ein KI-Chatbot. Den gesamten Veranstaltungsbericht finden Sie hier.
Vor-Ort-Anlagen als wichtiger Baustein für die Resilienz des Energiesystems
Ist die Energieversorgung gestört, kann das unter anderem gravierende wirtschaftliche Folgen haben. Mit Vor-Ort-Energiesystemen lässt sich dem entgegenwirken – und so die Systemresilienz verbessern. Bei den Berliner Energietagen konnten Interessierte im Rahmen einer weiteren BMWE-Session erfahren, wie das konkret aussehen kann. Im Fokus standen dezentrale Versorgungskonzepte für Industrie und Gewerbe auf Basis von grünem Wasserstoff und seiner Derivate. Mit Wiebke Lüke (WEW GmbH), Michael Busse (HYDAC New Technologies) und Stefan Liesner (2G Energy AG) berichteten drei erfahrene Fachleute aus der Praxis.
Die Diskussion veranschaulichte, dass Wasserstoff zwar kein Allheilmittel sei, aber ein wichtiger Baustein für die Resilienz des Energiesystems sein könne – vor allem in Zeiten geopolitischer Importabhängigkeiten. Aber auch vor dem Hintergrund weiterer Risiken für die Sicherheit des Energiesystems, wie – nicht nur in Deutschland, sondern weltweit – Naturkatastrophen, Sabotage, veraltete Infrastruktur oder fehlende Netzanschlüsse.
Die Risiken für Investitionen in Großanlagen angemessen abzuschätzen, sei derzeit für Unternehmen jedoch schwierig – darin waren sich die drei Fachleute einig. Großes Potenzial sehen sie hingegen in dezentralen Vor-Ort-Anlagen. Diese könnten Firmen helfen, klimafreundlicher, resilienter und unabhängiger zu werden. Die Lösungsmöglichkeiten mit grünem Wasserstoff seien dabei vielfältig und reichen von der Erzeugung von Wasserstoff aus der hauseigenen Photovoltaikanlage über den direkt gekoppelten Elektrolyseur samt Wiederverstromung bis hin zum Wasserstoff-Blockheizkraftwerk. Hier geht es zum Veranstaltungsbericht. (sek/uj)