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Aktuelles Forschungsthema

Von der Forschung in die Praxis: Wie Innovationen schneller Wirkung entfalten

Symbolbild Innovation © Olivier Le Moal – stock.adobe.com

Forschungsergebnisse allein verändern noch kein Energiesystem. Entscheidend ist, dass Innovationen schnell ihren Weg in die Anwendung finden. Passende Förderformate und die gezielte Einbindung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) tragen entscheidend zum Erfolg bei.

Innovationen für das Energiesystem reichen von neuen Technologien und Verfahren über KI-gestützte Betriebsabläufe bis hin zu innovativen Geschäftsmodellen, regulatorischen und organisatorischen Ansätzen sowie Lösungen zum Einbinden von Kommunen und Energieversorgern sowie der Bevölkerung. Für das Gelingen der Energiewende ist es bedeutsam, dass diese Ideen und Entwicklungen zügig zu marktfähigen Produkten und Dienstleistungen führen. Das generiert Wertschöpfung entlang des gesamten Innovationsprozesses und sichert somit Wohlstand und Arbeitsplätze in Deutschland.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) unterstützt diesen Transfer mit passgenau ausgelegten Förderinstrumenten. Forschung, Demonstration und Anwendung werden eng miteinander verzahnt. Diese sind im 8. Energieforschungsprogramm für die angewandte Energieforschung und der entsprechenden Förderbekanntmachung genau definiert.

Passgenaue Förderformate entlang des gesamten Innovationsprozesses

Die klassische Projektförderung bildet dabei das Fundament. Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Start-ups entwickeln in Einzel- oder Verbundprojekten neue Technologien, Verfahren und Dienstleistungen für das Energiesystem. Dabei unterstützt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie die angewandte Energieforschung im Bereich der Technologiereifegrade 3 bis 9.

Der Technology Readiness Level (TRL) ist ein System mit neun Stufen, das den technischen Reifegrad einer Technologie bewertet.
Der Technology Readiness Level (TRL) ist ein System mit neun Stufen, das den technischen Reifegrad einer Technologie bewertet.

Konkret bedeutet dies: Die Förderung setzt bei anwendungsnaher Forschung an und begleitet Entwicklungen bis hin zu Demonstrationsvorhaben. Durch die enge Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft werden Forschungsergebnisse somit frühzeitig auf ihre industrielle Verwertung überprüft und entsprechend ausgerichtet.

Ein weiteres Förderformat sind die Mikroprojekte. Förderinteressierte können Forschungsideen schnell und unbürokratisch mit einer kurzen Laufzeit bis zu einem Jahr beantragen. Hierzu zählen etwa Projekte, die die Machbarkeit von Innovationsideen untersuchen, umfangreichere Forschungsprojekte vorbereiten oder neuartige Technologien an die Marktreife annähern.

Reallabore der Energiewende schließen die Lücke zwischen Entwicklung und Markt

Der erfolgreiche Praxistransfer ist ein zentrales Ziel des Förderformats Reallabore der Energiewende. Im Unterschied zur klassischen Projektförderung schaffen die Reallabore unter realen Einsatzbedingungen die Möglichkeit, innovative Technologien, Geschäftsmodelle und regulatorische Ansätze zu erproben und die gewonnenen Erkenntnisse für eine breite Anwendung nutzbar zu machen. Damit beschleunigen Reallabore der Energiewende den Transfer von Innovationen in die Anwendung und liefern wichtige Erkenntnisse für die Weiterentwicklung von Technologien und die Skalierung erfolgreicher Lösungen.

Die Erfolge dieser Förderung lassen sich bei den bereits weitestgehend abgeschlossenen Reallaboren der Energiewende TransUrbanNRW und SmartQuart nachvollziehen. TransUrbanNRW hat gezeigt, wie die Transformation der quartiersbezogenen Energieversorgung in den Kohlerevieren Nordrhein-Westfalens durch sektorenübergreifende Energiekonzepte, intelligente Infrastrukturen und innovative Versorgungslösungen unterstützt werden kann. SmartQuart demonstrierte die Umsetzung intelligenter Quartierslösungen mit erneuerbaren Energien, Wasserstoff und digitalen Energiemanagementsystemen. Die systematische Aufbereitung und Verbreitung der Ergebnisse unterstützen Kommunen, Unternehmen und weitere Akteure dabei, erfolgreiche Konzepte in die Praxis zu übernehmen.

Ob intelligente Quartierslösungen, Wasserstoffinfrastrukturen oder innovative Industrieprozesse – die Reallabore der Energiewende liefern belastbare Erfahrungen aus dem praktischen Erprobungsbetrieb. Damit verkürzen sie den Zeitraum zwischen Forschung und breiter Anwendung und reduzieren gleichzeitig das Investitionsrisiko für Unternehmen.

Neue Förderinstrumente beschleunigen marktorientierte Entwicklungen

Mit der vorkommerziellen Auftragsvergabe (Pre-Commercial Procurement, PCP) geht das BMWE einen weiteren Weg, um Forschungsergebnisse schneller in die Praxis zu überführen. Anders als bei einer klassischen Projektförderung tritt der Staat hierbei nicht als Fördermittelgeber, sondern als Auftraggeber von Forschungs- und Entwicklungsleistungen auf.

Das BMWE beschreibt dafür eine klar definierte technologische Herausforderung und schreibt diese europaweit aus. Mehrere Unternehmen entwickeln anschließend parallel Lösungsansätze. Diese werden in einem mehrstufigen Wettbewerb von der Machbarkeit über die Prototypenentwicklung bis zur Erprobung weiterentwickelt. Die Entwicklungsarbeiten werden vollständig über Aufträge finanziert, während die Unternehmen ihre geistigen Eigentumsrechte behalten. So entstehen marktnahe Prototypen mit hohem Verwertungspotenzial.

Aktuell setzt das BMWE dieses neue Instrument erstmals im 8. Energieforschungsprogramm des Ministeriums ein. Nach einer vorgeschalteten Marktkonsultation wurde 2026 das erste PCP-Verfahren zum Thema „Toolkit für aktives Verteilnetzmanagement“ gestartet. Ziel ist es, innovative und praxistaugliche Werkzeuge für das Management zunehmend komplexer Niederspannungsnetze zu entwickeln. Parallel bereitet das BMWE weitere Verfahren vor, unter anderem im Bereich der Langzeitenergiespeicherung.

Kleine und mittlere Unternehmen als Innovationstreiber der Energiewende

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) spielen beim Technologietransfer eine Schlüsselrolle. Sie verfügen häufig über hochspezialisierte Kompetenzen, kurze Entscheidungswege und die Fähigkeit, neue Ideen schnell in marktfähige Produkte umzusetzen. Gerade bei technologischen Nischen und disruptiven Innovationen entstehen viele Impulse bei mittelständischen Unternehmen. Daher fokussiert die BMWE-Forschungsförderung mit ihren Instrumenten auch diese Zielgruppe.