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12.07.2022

Synthetische Kraftstoffe: Die Mission lautet CO2-Neutralität

Das Bild zeigt ein Flugzeug, ein Frachtschiff und einen LKW vor blauem Himmel.
Synthetische Kraftstoffe bezeichnen innovative, strombasierte Energieträger für einen nachhaltigen Verkehr in der Luftfahrt, in der Schifffahrt und auf der Straße. ©phaisarnwong2517 - stock.adobe.com

Welchen Beitrag synthetische Kraftstoffe für die Energiewende leisten können, diskutierten Expertinnen und Experten auf der zweiten Statuskonferenz der Forschungsinitiative „Energiewende im Verkehr“ in Berlin. Mitglieder der Verbünde stellten zudem zentrale Ergebnisse ihrer Arbeit und Handlungsoptionen für die weitere Erforschung, Entwicklung, Produktion und Markteinführung von alternativen Kraftstoffen vor.

Selbst wenn ein Großteil des Verkehrs eines Tages rein elektrisch angetrieben werden kann, steht die Energiewende im Verkehr immer noch vor der Herausforderung schwere Lasten über lange Strecken zukünftig CO2-neutral zu transportieren. Dies betrifft insbesondere den Großteil der Schiffe und Flugzeuge sowie teilweise den Schwerlastverkehr auf der Straße Hier bieten auf Basis von erneuerbarem Strom hergestellte synthetische Kraftstoffe eine vielversprechende Alternative, da sie viel Energie auf kleinem Raum und bei wenig Gewicht speichern können. Rund 120 Teilnehmende der 15 technischen Verbundvorhaben sowie der Begleitforschung der Forschungsinitiative „Energiewende im Verkehr“, kurz BEniVer, stellten nun ihre aussichtsreichsten Ergebnisse bezüglich der Nutzung einer großen Bandbreite von strombasierten Kraftstoffen aus erneuerbaren Quellen vor.

Die Konferenz, die sowohl in Präsenz, als auch online zu verfolgen war, wurde von Dr. Rodoula Tryfonidou, Leiterin des Referats II C 5 Energieforschung – Grundsatzfragen und Strategie im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) eröffnet. Sie betonte die ökonomische, ökologische und auch gesellschaftspolitische Relevanz, die die Erkenntnisse der Verbünde lieferten. Sie seien wichtig für eine fundierte Einordnung von synthetischen Kraftstoffen und könnten zukünftig entscheidend dazu beitragen, die CO2-Bilanz zu verbessern und den Ausstoß von Luftschadstoffen im Verkehrssektor zu reduzieren. Außerdem käme synthetischen Kraftstoffen als Energiespeicher eine neue Bedeutung für die Energiesicherheit sowie durch die technischen Innovationen eine wichtige Rolle für die technologische Souveränität des Wirtschaftsstandortes Deutschlands zu.

Dass die Energiewende im Verkehr insbesondere im Schiffs- und Flugverkehr international gedacht werden müsse, unterstrich Michal Kubicki, Policy Officer der Europäischen Kommission, Generaldirektion Mobilität und Verkehr im Anschluss mit seinem Vortrag zur „Renewable and Low-Carbon Fuels Industrial Alliance“.

Potenziale strombasierter Kraftstoffe

Einblicke in die Forschung der Verbundvorhaben, zahlreiche Fachveranstaltungen sowie eine Poster-Ausstellung und eine abschließende Podiumsdiskussion rundeten die Statuskonferenz ab. Dabei blieben folgende Fragestellungen immer im Fokus: Wie können innovative, synthetische Kraftstoffe umweltfreundlich und klimagerecht, aber auch wirtschaftlich hergestellt und genutzt werden? Können sie in heutigen Autos, Lkws, Flugzeugen oder Schiffen direkt genutzt werden oder dem derzeit genutzten Kraftstoff beigemischt werden? Und: Wie müssen Motoren dafür gegebenenfalls umgerüstet und angepasst werden?

Dabei betrachteten die Forschenden auch, vor welchen weiteren Chancen und Herausforderungen man bei dem Einsatz von synthetischen Kraftstoffen in der Luftfahrt sowie in der Schifffahrt, aber auch im Straßenverkehr stehe. Denn Luft- und Schifffahrt unterliegen stark globalisierten Wettbewerbsbedingungen, in denen internationale Regularien und Normen eine wichtige Rolle spielen. Doch eröffnen strombasierte Kraftstoffe hier ein hohes CO2-Einsparpotenzial.

Rolle des Imports von synthetischen Kraftstoffen

Auch wurden in einem Workshop die verschiedenen Szenarien und Optionen für die Einfuhr von strombasierten Kraftstoffen nach Deutschland betrachtet. Dabei diskutierten die Fachleute die Vor- und Nachteile des Imports sowie mögliche Transportrouten. So wurden beispielsweise kostenoptimierte Versorgungspfade für grünen Strom, Wasserstoff und Folgeprodukte für Deutschland und Europa unter Einbeziehung der MENA-Region behandelt. MENA steht dabei für „Middle East and North Africa“ (Nahost und Nordafrika) und bezeichnet die Region von Marokko bis zum Iran, den „Sonnengürtel der Erde“. Neben einer rein techno-ökonomischen Analyse, modellierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zudem Szenarien, in denen sie auch Investitionsrisiken berücksichtigten.

Akzeptanz strombasierter Kraftstoffe

Als soziotechnische Innovation in einem gesellschaftlichen Mehrebenensystem stehen synthetische Kraftstoffe aber auch vor den Fragen gesellschaftlicher Akzeptanz: Wie bewerten verschiedene Akteursgruppen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft die Kosten und den Nutzen, Umweltwirkungen und die Anwendungstauglichkeit? Wie beeinflussen Medien und Multiplikatoren das Meinungsbild potenzieller Endnutzerinnen und Endnutzer? Eine Medienanalyse weise zwar eine zunehmende mediale Präsenz synthetischer Kraftstoffe nach, zeige aber auch noch bestehende Unsicherheiten und den verstärkten Bedarf nach Informationen unter den Verbraucherinnen und Verbrauchern.

Pfad zur Kraftstoff-Roadmap

Alle Daten und Erkenntnisse der Forschungsprojekte sowie der Diskurse auf der Statuskonferenz werden nun zusammengeführt. Sie dienen als Grundlage für eine umfassende Systemanalyse und Technikbewertung. Aufbauend auf den wissenschaftlichen Ergebnissen entwickeln die Projektpartner gemeinsam bis zum Ende des Jahres 2022 Handlungsoptionen für die weitere Erforschung alternativer Kraftstoffe, aber auch für die Politik, Industrie und Gesellschaft. Diese Handlungsoptionen sollen die Informationsbasis für gesellschaftliche Entscheidungen zur Weiterentwicklung einer nachhaltigen Mobilität liefern und stellen einen wichtigen Beitrag der Forschungsgemeinschaft dar. (che)

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