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Neue Ansätze für weniger Energieverbrauch und einen klimaverträglichen Betrieb kommunaler Hallenbäder stehen im Mittelpunkt des Wettbewerbs. © Fachbereich Schule und Sport der Landeshauptstadt Magdeburg
Neue Ansätze für weniger Energieverbrauch und einen klimaverträglichen Betrieb kommunaler Hallenbäder stehen im Mittelpunkt des Wettbewerbs.

Innovationswettbewerb Stadtbad der Zukunft
UrbanWave: Diese Stadtbäder qualifizieren sich für die nächste Wettbewerbsphase

12.10.2026 | Aktualisiert am: 12.10.2026

Zwei von fünf Teams haben sich im Innovationswettbewerb „UrbanWave – Stadtbad der Zukunft“ für die BUILD- und OPERATE-Phase qualifiziert. Beim Kolloquium am 17. September präsentierten die Projekte ihre Konzepte vor der Fachjury. Die ausgewählten Teams KliMoPlanElbe und NetZero Olvenstedt können ihre Planungen nun weiter in Richtung Umsetzung führen.

Wie lassen sich Schwimmbäder so modernisieren, dass sie deutlich weniger Energie benötigen und gleichzeitig wirtschaftlich, nutzerfreundlich und architektonisch überzeugen? Der Innovationswettbewerb UrbanWave ist Teil des 8. Energieforschungsprogramms des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) und setzt dafür ambitionierte Zielwerte: Nach der Modernisierung sollen die Bäder einen spezifischen Wärmebedarf von 1.200 Kilowattstunden und einen Strombedarf von 400 Kilowattstunden pro Quadratmeter Beckenwasserfläche und Jahr erreichen. Auch die Energiebereitstellung für den Betrieb soll klimaverträglich erfolgen.

Mit dieser Aufgabe sind im Juni 2026 fünf Teams in die DESIGN-Phase von UrbanWave gestartet. Seitdem haben sie ihre Ideen konkretisiert, Gebäudedaten erhoben und analysiert, technische Lösungen simuliert oder verschiedene Versorgungsstrategien miteinander verglichen. Ziel der DESIGN-Phase ist es, tragfähige Modernisierungskonzepte zu entwickeln und damit die mögliche Umsetzung in der anschließenden BUILD- und OPERATE-Phase vorzubereiten.

Beim Kolloquium am 17. September stellten die Teams ihre Ergebnisse der vierköpfigen Fachjury vor. Dafür mussten sie unter anderem ein Gebäude- und Technikkonzept vorlegen, dass die energetischen Zielwerte adressiert, sowie die geplante Energieeinsparung und Deckung des Energiebedarfs darstellen. Besonders stark gewichtete die Jury den technischen Innovationsgrad, die ökonomische und ökologische Wirtschaftlichkeit, die gestalterische und bauliche Qualität sowie die Übertragbarkeit der Konzepte. Darüber hinaus bewertete sie deren Resilienz gegenüber der Kostenentwicklung der Energiequellen und die Nutzerfreundlichkeit.

Zwei Konzepte überzeugen die Fachjury

Nach den Präsentationen und der anschließenden Jurysitzung stand fest: KliMoPlanElbe und NetZeroWave haben sich für die BUILD- und OPERATE-Phase qualifiziert. Beide Konzepte verbinden unterschiedliche technische und bauliche Maßnahmen zu einem Gesamtsystem. In der Bewertung punkteten sie insbesondere mit ihrem Innovationsanspruch und dem Potenzial, Erkenntnisse auf weitere kommunale Hallenbäder zu übertragen.

KliMoPlanElbe – Schwimmbad Elbgaustraße in Hamburg

Bildcollage der Schwimmhalle Elbgaustraße in Hamburg mit Ansichten des Eingangsbereichs, der Glasfassade, der Schwimmbecken, der technischen Anlagen sowie Details der Gebäudehülle und des Innenraums. © Bäderland Hamburg
Das Schwimmbad Elbgaustraße in Hamburg: Für den Standort hat das Team KliMoPlanElbe ein umfassendes energetisches Modernisierungskonzept entwickelt.

Das Team von KliMoPlanElbe hat ein Gesamtkonzept entwickelt, das die energetische Sanierung der Gebäudehülle mit neuer Anlagen-, Lüftungs- und Wassertechnik verbindet. Für die künftige Wärmeversorgung haben die Forschenden sowohl eine dezentrale Lösung mit Wärmepumpe als auch die Einbindung des Bades in ein mögliches Nahwärmenetz untersucht. Eine neuartige abwärts gerichtete Luftführung soll zudem den Wärmebedarf des Beckens reduzieren. Photovoltaikanlagen auf dem Dach und über Parkflächen sollen Strom direkt am Standort erzeugen. Das Maßnahmenpaket ist darauf ausgerichtet, den Energiebedarf in Richtung der UrbanWave-Zielwerte zu senken und eine klimaverträgliche Energiebereitstellung zu ermöglichen.

Die Jury hob insbesondere das Zusammenspiel der verschiedenen technischen Ansätze hervor. Ein Digitaler Zwilling soll Nutzungsszenarien darstellen und die Betriebsoptimierung unterstützen. Hinzu kommen ein nutzerorientiertes Wassermanagement, der Einsatz erneuerbarer Energien sowie die mögliche Einbindung des Schwimmbades als Ankerkunde in ein Nahwärmenetz. Auch die Verknüpfung mit der kommunalen Wärmeplanung und die Einbeziehung der Badegäste durch Befragungen flossen positiv in die Bewertung ein.

Ein weiterer Pluspunkt ist die Übertragbarkeit. Das Team hat mehrere baugleiche Hamburger Bäder in seine Betrachtungen einbezogen und die Übertragbarkeit anhand ihrer Grundrisse untersucht. In einem weiteren Schritt soll geprüft werden, inwieweit sich der Ansatz auch auf ähnliche Bäder im Bestand anwenden lässt.

NetZero Olvenstedt – Schwimmhalle Magdeburg-Olvenstedt

Sechsteilige Bildcollage der Schwimmhalle Magdeburg-Olvenstedt. Die obere Reihe zeigt Außenansichten mit Eingangsbereich, Fensterfront und Zugangsrampe. Die untere Reihe zeigt das Innere der Schwimmhalle mit Schwimmbecken, Startblöcken, gefliesten Wänden und großen Fensterflächen. © Fachbereich Schule und Sport der Landeshauptstadt Magdeburg
Die Schwimmhalle Magdeburg-Olvenstedt gehört zu einem standardisierten Gebäudetyp. Das Modernisierungskonzept könnte damit auch auf vergleichbare Hallenbäder übertragen werden.

Wie lässt sich ein älteres kommunales Hallenbad als Gesamtsystem modernisieren? Das Team von NetZero Olvenstedt entwickelt dafür ein Konzept, das Maßnahmen an der Gebäudehülle und der technischen Ausstattung mit einer digitalen Betriebsführung verbindet. Vorgesehen sind unter anderem neue Fenster sowie Photovoltaik auf Dach und Fassade. Das Maßnahmenpaket soll den Energiebedarf des Bades in Richtung der UrbanWave-Zielwerte senken.

Ein Schwerpunkt liegt auf der intelligenten Abstimmung der einzelnen Maßnahmen. Geplant ist eine digitale Daten- und Automatisierungsebene mit Unterzählern, Sensorik, Betriebsdatenerfassung, Kennzahlenanalyse und einer übergeordneten Regelungslogik. So sollen Verbrauch und Betrieb kontinuierlich erfasst und die technischen Systeme aufeinander abgestimmt werden. Die Jury hob gerade diese Verbindung klassischer Sanierungsmaßnahmen mit einer digitalen Infrastruktur als Stärke des Konzepts hervor.

Für die Jury sprach außerdem die hohe Übertragbarkeit des Ansatzes. Die Schwimmhalle in Olvenstedt gehört zu einem standardisierten Typenbau, der nach Angaben des Teams rund 25-mal errichtet wurde. Damit könnten die entwickelten Lösungen auch für die Modernisierung weiterer vergleichbarer Hallenbäder insbesondere in den neuen Bundesländern genutzt werden.

Von der Planung in die Umsetzung

Mit der Jury-Entscheidung ist die DESIGN-Phase für die übrigen drei Teams jedoch nicht beendet. Die Mikroprojekte werden wie geplant bis zum Ende ihrer Laufzeit weitergeführt. Auch ihre erarbeiteten Konzepte sollen anschließend öffentlich verfügbar gemacht werden und als Beispiele für weitere Schwimmbadmodernisierungen dienen.

KliMoPlanElbe und NetZeroWave können nun Anträge für die anschließende BUILD- und OPERATE-Phase vorbereiten. In der BUILD-Phase sollen die Modernisierungskonzepte im Rahmen von Forschungs- und Entwicklungsvorhaben umgesetzt werden. Daran schließt sich die OPERATE-Phase an, in der die Forschungsverbünde den Betrieb optimieren und ein übergeordnetes Monitoring die Entwicklung begleitet.

Fachwissen aus unterschiedlichen Perspektiven

Drei Personen, eine Frau und zwei Männer, stehen in einem Konferenzraum neben einem UrbanWave-Aufsteller. Hinter ihnen ist auf einer großen Leinwand ein viertes Jurymitglied per Videokonferenz zugeschaltet. © Projektträger Jülich / Forschungszentrum Jülich GmbH
Vor Ort in Berlin und digital zugeschaltet brachte die Fachjury unterschiedliche Perspektiven aus Forschung, Technik und Bäderpraxis in die Bewertung der UrbanWave-Konzepte ein.

Über die Konzepte entschied die vierköpfige Jury. Prof. Katja Biek, Christian Landsberg, Michael Weilandt und Prof. Gunnar Grün bringen Fachwissen aus Gebäudetechnik und Bauphysik, Bäderwesen und Normung sowie Schwimmausbildung und Nutzerorientierung ein.

Wie geht es weiter?

Mehr zum Ablauf des Innovationswettbewerbs „UrbanWave – Stadtbad der Zukunft“, Neuigkeiten sowie regelmäßig aktualisierte Informationen zu Juryentscheidungen sowie dem Ranking der Projekte untereinander finden Sie auf der Informationsseite.