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Vibro-Trucks im Einsatz: Die Spezialfahrzeuge leiten kontrolliert seismische Wellen in den Untergrund, um diesen hinsichtlich der vorhandenen geologischen Strukturen zu untersuchen. © DMT GROUP
Vibro-Trucks im Einsatz: Die Spezialfahrzeuge leiten kontrolliert seismische Wellen in den Untergrund, um diesen hinsichtlich der vorhandenen geologischen Strukturen zu untersuchen.

Geothermie
Forschungsprojekt GIGA-M startet seismische Messkampagne in und um München

18.08.2026 | Aktualisiert am: 18.08.2026

Um das Potenzial der Tiefengeothermie im Großraum München fundiert zu erkunden, werden im Rahmen des Projekts GIGA-M im August Seismikmessungen durchgeführt. Die Messungen sollen Daten über den Untergrund in der Region liefern und eine detaillierte Grundlage schaffen, um diese erneuerbare Energiequelle zukünftig zur Wärmeversorgung vor Ort weiter auszubauen.

Für den Umbau der Wärmeversorgung hin zu klimaneutralen Lösungen spielt die Tiefengeothermie eine wichtige Rolle. Sie kann Städte und Gemeinden langfristig mit erneuerbarer Wärme versorgen. Voraussetzung dafür ist jedoch ein genaues Verständnis des Untergrunds. Daher müssen in Regionen, zu denen bisher keine detaillierte Datenbasis vorliegt, zunächst seismische Erkundungen durchgeführt werden, die die geologischen Strukturen spezifizieren. In Regionen, in denen bereits Erkenntnisse über den Untergrund vorliegen, müssen diese Informationen verdichtet werden. Mit den gewonnenen Daten können Forschende den Untergrund genauer charakterisieren, um die nächsten Schritte zur Erdwärmenutzung zu planen.

Funktionsprinzip einer Geothermieanlage © SWM
Funktionsprinzip einer Geothermieanlage

Die ausgewerteten Messungen bilden ebenfalls die Grundlage, um ein großräumiges Reservoirmodell zu entwickeln. Mit diesem soll die Nutzung des vorhandenen geothermischen Potenzials im Untergrund optimal und nachhaltig gewährleistet werden.  Neben den zu schaffenden technischen Grundlagen untersucht das Projekt GIGA-M auch Lösungen zum Abbau von nicht-technischen Barrieren für eine gemeinsame interkommunale Bewirtschaftung des geothermischen Feldes.

Tiefengeothermie für die regionale Wärmewende

Wie das aufgeschlüsselte Akronym des Forschungsprojekt GIGA-M (Großräumige Integrierte Gesamt-Analyse des tiefengeothermischen Potentials und seiner synergetischen Nutzung im Großraum München) beschreibt, forschen die Verbundpartner für eine klimaneutrale Wärmeversorgung in der Münchner Region. Ihre Forschungsarbeiten sollen den Weg für eine regionale Wärmewende ebnen – von fossilen Energieträgern hin zu lokal produzierter und klimaneutraler Wärme. Die GIGA-M-Seismikkampagne zählt, aufgrund der geplanten Messfläche von über 1.100 km2, als Deutschlands größtes Landseismikprojekt.

Seismik-Messkampagne im Projekt GIGA-M

„Geothermie ist die Schlüsseltechnologie für klimaneutrale Wärme vor Ort. Deutschlandweit könnte Geothermie laut einer Studie rund 25 Prozent des Wärmebedarfs abdecken, eine andere Studie sieht allein im Großraum München ein Potenzial von 67 Prozent. Doch für eine zukunftsfähige und verlässliche Planung braucht es eine belastbare Datengrundlage. Diese schaffen wir mit den Seismikmessungen. Auf Basis dieser Daten können wir für die Menschen in der Region kommunal-grenzüberschreitende Energie-Alternativen zu Gas und Öl erarbeiten.“
Dr. Kai Zosseder, Projektleiter GIGA-M, TUM München

Das Thermalwasserreservoir im Weißjura unter dem Großraum München wird bereits durch etwa 50 Bohrungen genutzt. Sie liefern eine thermische Gesamtleistung von rund 400 Megawatt. Um das weitere, auf mehr als 1.000 Megawatt geschätzte Erdwärme-Potenzial besser zu erschließen, sollen mithilfe der großflächigen 3D-Seismik-Messkampagne zunächst Datenlücken geschlossen werden.

Geologischer Schnitt durch das Molassebecken © SWM
Geologischer Schnitt durch das Molassebecken

Seismische Messungen mittels Vibro-Trucks

Die im Rahmen der Seismik durchgeführten Messungen werden mit sogenannten Vibro-Trucks umgesetzt. Diese Spezialfahrzeuge leiten mit einer absenkbaren Vibrationsplatte seismische Wellen kontrolliert in den Untergrund. Dort breiten sich die Schallwellen aus und werden an geologischen Schichtgrenzen zum Teil reflektiert. Die reflektierten Wellen werden von Schwingungsmessgeräten, sogenannten Geophonen, an der Oberfläche aufgezeichnet, um daraus anschließend mit Hilfe aufwendiger Datenbearbeitungsprozesse ein detailliertes Bild der geologischen Strukturen zu erstellen.

Darstellung des Messprinzips einer Seismikmessung © SWM
Darstellung des Messprinzips einer Seismikmessung

Damit können die Forschenden ein ganzheitliches geologisches 3D-Modell des Untergrunds im Großraum München entwickeln. Das Modell dient der präzisen Planung zukünftiger Erschließungsbohrungen und soll weiterhin in ein dynamisches Bewertungsmodell für die langfristige Nutzung der Energieressource Tiefe Geothermie in der Region überführt werden.

Informationsangebote zu den anstehenden seismischen Messungen

Verbundpartner im Projekt GIGA-M sind die Technische Universität München, die Stadtwerke München, die Energiewende Garching, die Energieagentur Ebersberg-München, die Landeshauptstadt München und das Landratsamt München.

GIGA-M-Übersichtskarte: Die Seismikkampagne schließt die Messlücken im Messgebiet. © SWM
GIGA-M-Übersichtskarte: Die Seismikkampagne schließt die Messlücken im Messgebiet.

Auf der Projekt-Website zu GIGA-M stellen die Partner weiterführende Informationen rund um das Forschungsvorhaben bereit. Dort finden Besucherinnen und Besucher unter anderem eine tagesaktuelle Karte, die den Fortschritt der Vorbereitungen und ab dem 20. August die eigentlichen Messaktivitäten mit Vibro-Trucks visualisiert. Die Messungen sollen innerhalb eines Zeitraums von drei bis vier Monaten durchgeführt werden.

Das in GIGA-M auf Basis der seismischen Messungen entwickelte geologische Untergrundmodell soll nach Projektabschluss allen Interessierten und zuständigen Behörden zur Verfügung gestellt werden. Gleichzeitig erwarten die Forschenden, dass die im Forschungsprojekt GIGA-M entwickelten Methoden zur Erkundung, Erschließung und Nutzung der Tiefengeothermie auch auf andere Regionen übertragbar sind. Damit könnten sie künftig über München hinaus zu einer regeren Nutzung regionaler Geothermiepotenziale beitragen. (av)