© Energiepark Bad Lauchstädt/VNG AG 2026
Reallabor Energiepark Bad Lauchstädt
Energiepark Bad Lauchstädt erhält RFNBO-Zertifizierung
Der Energiepark Bad Lauchstädt hat einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Produktion und Vermarktung von erneuerbarem Wasserstoff erreicht: Anfang August hat die Zertifizierungsstelle GUTcert bestätigt, dass die geplante Wasserstoffproduktion im Energiepark die europäischen Anforderungen an sogenannte RFNBO erfüllt. Damit ist der Energiepark offiziell RFNBO-zertifiziert.
Das Zertifikat weist nach, dass der künftig erzeugte Wasserstoff die europäischen Vorgaben für erneuerbare Kraftstoffe nicht-biologischen Ursprungs erfüllt. Damit kann er als nachhaltiges Produkt ausgewiesen und vermarktet werden. Für den Energiepark ist die Zertifizierung deshalb mehr als ein formaler Nachweis: Sie ermöglicht es, den Wasserstoff später entsprechend den geltenden Vorgaben in der Industrie einzusetzen und am Markt zu handeln.
Nachhaltiger Wasserstoff braucht klare Nachweise
RFNBO ist die Abkürzung für „Renewable Fuels of Non-Biological Origin“. Die europäische Gesetzgebung definiert, welche Voraussetzungen Wasserstoff erfüllen muss, damit er als erneuerbarer Kraftstoff dieser Kategorie gilt. Entscheidend ist dabei nicht allein, dass bei seiner Herstellung erneuerbarer Strom zum Einsatz kommt.
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GUTcert hat deshalb verschiedene Aspekte der geplanten Produktion bewertet. Dazu gehört unter anderem die Herkunft des verwendeten Stroms. Auch die Treibhausgasbilanz und die Frage, ob sich die einzelnen relevanten Schritte der Produktion nachvollziehbar dokumentieren und kontrollieren lassen, flossen in die Bewertung ein.
Für die Anerkennung als RFNBO muss die Wasserstoffproduktion außerdem eine Treibhausgaseinsparung von mindestens 70 Prozent gegenüber dem festgelegten Vergleichswert für fossile Kraftstoffe erreichen. Die Zertifizierung gilt für ein Jahr. Anschließend muss der Energiepark die Voraussetzungen erneut überprüfen und bestätigen lassen.
Vom Energiepark in die Industrie
Die Zertifizierung ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass der im Energiepark erzeugte Wasserstoff auch wirtschaftlich genutzt werden kann. Besonders relevant ist das für den Ankerkunden des Projekts, die TotalEnergies-Raffinerie in Leuna. Sie soll den Wasserstoff künftig über eine rund 25 Kilometer lange Gasleitung erhalten. Die Leitung wurde zuvor für den Transport von Erdgas genutzt und wird für den Transport von Wasserstoff umgestellt.
Damit schafft der Energiepark eine Verbindung zwischen der erneuerbaren Wasserstofferzeugung und einer konkreten industriellen Anwendung. Gleichzeitig sammelt das Projektkonsortium Erfahrungen damit, welche Anforderungen für die Zertifizierung und den späteren Handel mit erneuerbarem Wasserstoff erfüllt werden müssen. Diese Erfahrungen können auch anderen Projekten helfen und dazu beitragen, den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft weiter voranzubringen.
Auch technisch ist der Energiepark auf dem Weg
© Tom Schulze
Bereits zuvor hatte das Reallabor einen wichtigen technischen Meilenstein erreicht: Die Gasreinigungsanlage bestand die sicherheitsrelevante Dichtheitsprüfung und ist damit für den schrittweisen Hochlauf vorbereitet.
Die wasserstoffführenden Anlagenteile hielten der Wasserstoff-Dichtheitsprüfung unter Begleitung des TÜV Thüringen stand. Das Landesamt für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt prüfte zudem weitere sicherheitsrelevante Aspekte erfolgreich.
Die Gasreinigungsanlage übernimmt im Energiepark eine zentrale Aufgabe. Sie verbindet die einzelnen Prozessschritte und bereitet den Wasserstoff für die industrielle Nutzung auf. Denn viele Anwendungen benötigen Wasserstoff von besonders hoher Qualität. Die Anlage entfernt unter anderem Wasser, Schwefelverbindungen und Kohlenwasserstoffe und überwacht kontinuierlich die Wasserstoffgüte.
Dabei kommt auch ein besonders energieeffizientes Trocknungsverfahren zum Einsatz. Das Trocknungsmittel wird mithilfe einer Membrantechnologie bei deutlich niedrigeren Temperaturen regeneriert als bei herkömmlichen Verfahren. Dadurch sinkt der Energiebedarf. Nach der Aufbereitung erreicht der Wasserstoff einen Reinheitsgrad von 99,97 Prozent.
Reallabor für den Wasserstoffhochlauf
© DBI Gastechnologisches Institut gGmbH Freiberg
Der Energiepark Bad Lauchstädt verbindet die Erzeugung, den Transport, die Aufbereitung und die industrielle Nutzung von grünem Wasserstoff. Ein 30-Megawatt-Elektrolyseur soll den Wasserstoff mit Strom aus dem benachbarten Windpark erzeugen.
Die einzelnen Anlagen werden schrittweise in Betrieb genommen und unter realen Bedingungen erprobt. Mit den technischen Arbeiten und der jetzt erteilten RFNBO-Zertifizierung gewinnt das Reallabor Erfahrungen sowohl bei der praktischen Umsetzung als auch bei den regulatorischen Anforderungen für erneuerbaren Wasserstoff.
Als vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) gefördertes Reallabor der Energiewende zeigt der Energiepark, wie die verschiedenen Stationen auf dem Weg vom erneuerbaren Strom zum industriell nutzbaren Wasserstoff zusammenspielen können. Die Erfahrungen aus dem Projekt sollen dazu beitragen, technische und regulatorische Lösungen für den weiteren Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft in Deutschland zu entwickeln. (kkl)