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Wasserkraftwerk Wyhlen: Die Anlage liefert den erneuerbaren Strom für die beiden Elektrolyseure. © naturenergie
Wasserkraftwerk Wyhlen: Die Anlage liefert den erneuerbaren Strom für die beiden Elektrolyseure.

Reallabor H2-Wyhlen
Fünf-Megawatt-Elektrolyseur am Rhein eingeweiht

19.10.2026 | Aktualisiert am: 20.10.2026

Nach knapp zwei Jahren Bau- und Montagezeit haben die Fachleute des Reallabors H2-Wyhlen Anfang Oktober 2026 eine neue Power-to-Gas-Anlage eingeweiht. Die Anlage in Grenzach-Wyhlen unmittelbar an der Grenze zur Schweiz soll künftig täglich bis zu 2,2 Tonnen Wasserstoff produzieren.

Das Reallabor H2-Wyhlen soll dabei nicht nur zeigen, wie sich erneuerbarer Wasserstoff im industriellen Maßstab erzeugen lässt.

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Erzeugung, Speicherung, Transport und Nutzung unter realen Betriebsbedingungen zusammenspielen und welche technischen sowie betrieblichen Erfahrungen sich daraus für einen späteren kommerziellen Einsatz ableiten lassen. Der Standort in Grenzach-Wyhlen bietet dafür besondere Voraussetzungen: Wasserkraft steht unmittelbar vor Ort zur Verfügung. Zugleich besteht bereits aus einem früheren Projekt eine Wasserstoffinfrastruktur, die im Rahmen des Projekts erweitert wurde.

Auf rund 3.300 Quadratmetern und nur wenige Meter vom Rheinufer entfernt befindet sich die neue Anlage. Ihr Kernstück ist ein PEM-Elektrolyseur mit einer Leistung von 5 Megawatt. Untergebracht ist er in einer eigens errichteten Halle. Dort befinden sich außerdem die Wasseraufbereitung sowie Teile der Leistungselektronik und der Stromversorgung. Der für die Wasserstoffproduktion benötigte Strom stammt dabei aus dem nur wenige Meter entfernten Wasserkraftwerk, das bereits 1912 in Betrieb genommen wurde.

Mehr als nur ein Elektrolyseur: Die Komponenten für die H₂-Produktion

Die neue Anlage bringt es auf eine Leistung von 5 Megawatt und damit das Fünffache der Bestandsanlage. © Juri Junkov / naturenergie
Die neue Anlage bringt es auf eine Leistung von 5 Megawatt und damit das Fünffache der Bestandsanlage.

Die Wasseraufbereitung wandelt das Rohwasser mittels Umkehrosmose zu hochreinem Wasser um, das für die Elektrolyse benötigt wird. Leistungselektronik und Transformator sorgen dafür, dass der elektrische Strom mit der für den Elektrolyseur erforderlichen Spannung und Stromstärke bereitgestellt wird. Da sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite Wohnhäuser befinden, wurde der Elektrolyseur vollständig eingehaust. Dadurch soll insbesondere die Lärmbelastung für die Anwohnerinnen und Anwohner reduziert werden.

Dass zu einer Wasserstofferzeugungsanlage deutlich mehr gehört als der eigentliche Elektrolyseur, zeigt ein Rundgang über das Gelände. „Etwa 30 Prozent der Gesamtkosten einer Wasserstofferzeugungsanlage entfallen auf die reine Elektrolyseur-Anlage“, erklärte Projektleiterin Dr. Reihaneh Zohourian vom Energieversorger EnBW bei einer Führung durch die Anlage. Die Stacks bilden das Herzstück des Elektrolyseurs: Hier wird Wasser elektrochemisch in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten.

Von der Elektrolyseurhalle führen Leitungen zu mehreren technischen Anlagemodulen im Außenbereich. Dort wird der erzeugte Wasserstoff unter anderem gereinigt und verdichtet. Vor der Halle befinden sich zudem Kühlsysteme, die für den Betrieb der Gesamtanlage erforderlich sind.

Von der Erzeugung über die Speicherung bis zur Nutzung

„Wir produzieren im Reallabor sehr reinen Wasserstoff der Qualitätsstufe 5.0. Dieser besteht zu 99,999 Prozent aus Wasserstoff“, sagte Projektleiterin Zohourian. Der produzierte Wasserstoff kann anschließend gespeichert oder direkt für verschiedene Anwendungen bereitgestellt werden. Dafür wurde die bereits seit 2019 bestehende Wasserstoffinfrastruktur am Standort im Rahmen des Reallabors deutlich erweitert. Die stationären Speicher können derzeit rund 5,1 Tonnen Wasserstoff aufnehmen. Genehmigt ist eine Speicherkapazität von bis zu zwölf Tonnen.

Zusätzlich wurden vier neue Abfüllstationen errichtet, so dass nun insgesamt sieben mit jeweils zwei Druckstufen von 380 und 500 bar bereitstehen. Dort kann der Wasserstoff in Druckbehälter auf Lkw-Trailern abgefüllt und anschließend zu den Abnehmern transportiert werden.

Erfahrungen für den kommerziellen Betrieb sammeln

Eine besondere Herausforderung stellte die Errichtung der einzelnen Komponenten der Anlage dar. „Viele Komponenten sind Prototypen. Das heißt, dass sie zum ersten Mal gefertigt und erprobt werden. Wir mussten deshalb eng mit den Lieferanten sowie den Behörden zusammenarbeiten, da viele Themen für alle Beteiligten Neuland waren“, erklärte Projektleiterin Zohourian.

Mit der Inbetriebnahme beginnt zunächst ein 30-tägiger Probebetrieb. In dieser Zeit soll die Anlage unter realen Bedingungen getestet und durch weitere Messungen untersucht werden.

Nach Abschluss des Probebetriebs plant der Projektpartner naturenergie, ein regionaler Energieversorger und Netzdienstleister mit Sitz in Rheinfelden (Baden) und Laufenburg (Schweiz), den kommerziellen Betrieb der Anlage. Der in Grenzach-Wyhlen erzeugte Wasserstoff soll künftig unter anderem industriellen Abnehmern auf deutscher und Schweizer Seite zur Verfügung stehen und auch im Mobilitätsbereich eingesetzt werden können. Der hergestellte Wasserstoff soll offiziell als erneuerbarer Wasserstoff nach den EU-Vorgaben (RFNBO-Zertifizierung) zertifiziert werden.