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Die Fehlerdiagnose, Wartung und Instandhaltung von Heizungsanlagen sollen im Vorhaben MEISTERWÄRME mit künstlicher Intelligenz effizienter gestaltet werden. © Lazy_Bear – stock.adobe.com
Die Fehlerdiagnose, Wartung und Instandhaltung von Heizungsanlagen sollen im Vorhaben MEISTERWÄRME mit künstlicher Intelligenz effizienter gestaltet werden.

Installation und Wartung von Heizungsanlagen
„KI im Handwerk funktioniert nur, wenn sie im echten Betrieb entwickelt wird“

Kilian Schramm Mission Wärme

15.10.2026 | Aktualisiert am: 15.10.2026

Störungen an Heizungsgeräten sollen durch das Vorhaben MEISTERWÄRME effizienter erfasst und behoben werden: Ein KI-Sprachassistent sowie ein an der jeweiligen Anlage installiertes „Gebäude-EKG“ unterstützen dabei. Geschäftsführer Kilian Schramm beschreibt, wie dies in seinem Handwerksbetrieb funktioniert.

Herr Schramm, warum beteiligt sich ein Handwerksbetrieb an einem Forschungsvorhaben zum Thema Künstliche Intelligenz (KI)?

Kilian Schramm: Weil KI im Handwerk nur funktioniert, wenn sie mit echten Daten an echten Problemen entwickelt wird – echte Forschung am realen Vorgang, nicht am Schreibtisch. Allein kann ein Betrieb das nicht stemmen, weder fachlich noch finanziell. Im Verbund profitieren alle: Die Forschung bekommt reale Daten und Abläufe, die Softwarepartner testen unter Alltagsbedingungen statt im Labor, und der Verband erhält Ergebnisse, die er seinen Betrieben mit gutem Gewissen empfehlen kann. Die Erfahrung zeigt: Reallabor und Akzeptanzforschung machen Projekte effizienter. Fehlentwicklungen fallen früh auf, nicht erst im Markt. Und was die Nutzer nicht annehmen, wird gar nicht erst zu Ende erforscht.

Ihr Betrieb bezeichnet sich als Reallabor des Verbunds. Was heißt das im Arbeitsalltag für Ihre Mitarbeitenden und für Ihre Kundinnen und Kunden?

Die Entwicklungen laufen bei uns im echten Betrieb. Der Sprachassistent nimmt reale Anrufe in unserer Störungsannahme entgegen.

Zur Person

Porträtbild von Kilian Schramm © Hans Schramm GmbH

Kilian Schramm ist seit September 2015 Geschäftsführer der Hans Schramm GmbH. Das Handwerksunternehmen mit Hauptsitz in München hat den Schwerpunkt Sanitär, Heizung, Elektrotechnik, Fliesen und Trockenbau. Kilian Schramm hat an der Technischen Universität München ein Studium als Diplom-Ingenieur und Diplom-Kaufmann erfolgreich abgeschlossen.

Mitarbeitende aus Kundendienst, Montage und Auftragsabwicklung wurden befragt, testen die Werkzeuge und geben Rückmeldung. Wir stellen Auftragsdaten, Regiezettel und Wartungsprotokolle zur Verfügung – selbstverständlich anonymisiert. Für unsere Kunden heißt das: Ihr Anliegen wird am Telefon strukturiert und vollständig aufgenommen, und sie helfen mit, ein System zu verbessern, von dem am Ende das ganze Handwerk profitiert.

Wie sollen auch kleinere Betriebe ohne eigene IT-Abteilung von den Ergebnissen profitieren?
Das ist für uns ein zentraler Maßstab – gerade kleine Betriebe mit weniger als zehn Mitarbeitenden sollen überproportional profitieren, weil ihnen das Spezialwissen für viele Anlagentypen im eigenen Haus fehlt. Die Werkzeuge müssen mit dem funktionieren, was ein Betrieb ohnehin nutzt: Telefon, Smartphone, ein ausgefüllter Regiezettel. Und niemand soll sein ERP (Enterprise-Resource-Planning)-System wechseln müssen oder ein neues, größeres Datensilo schaffen. Der Mediator übersetzt zwischen den bestehenden Systemen, die die Betriebe heute schon nutzen. So wird Software nicht nur niederschwellig, sondern bodengleich. Mit dem ZVSHK (Zentralverband Sanitär Heizung Klima) als Koordinator haben wir den Partner, der die Ergebnisse über Innungen, Fachverbände und Ausbildung in die Fläche bringt.

Projekt MEISTERWÄRME

Durch das BMWE-geförderte Vorhaben MEISTERWÄRME sollen KI-gestützt zeitintensive Prozesse wie die Fehlerdiagnose deutlich effizienter gestaltet werden – etwa durch ein sprachgesteuertes KI-Assistenzsystem. Zudem soll die Wartung und Instandhaltung von Heizungsanlagen modernisiert werden. Ein Expertenteam entwickelt dazu intelligente Technologien zur automatisierten Schadenserkennung. So erfasst ein sogenanntes Gebäude-EKG über Sensoren Störungen an Heizungsgeräten und meldet diese direkt an den zuständigen Handwerksbetrieb. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass Anlagen auch langfristig effizient und störungsfrei laufen. Projektpartner sind: Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK), Bremer Institut für Produktion und Logistik GmbH (BIBA), die Meister Systems GmbH und die Lokalleads GmbH sowie die Hans Schramm GmbH.

Welchen konkreten Nutzen erwarten Sie für die Betriebe?
Das zentrale Ziel sind weniger Anfahrten: Der richtige Monteur soll mit dem richtigen Material beim ersten Mal kommen. Im Projekt MEISTERWÄRME haben wir uns vorgenommen, die Reparaturfahrten pro Störung um rund ein Drittel zu senken. Erste Ergebnisse sind ermutigend: Allein durch eine sauberere Abfrage wichtiger Vorabinformationen – Typenschild, Fehlercode, Problembeschreibung – konnten wir die Quote der beim ersten Einsatz gelösten Störungen im Versuch um mehr als 20 Prozent verbessern. Dazu kommen eine entlastete Störungsannahme, besser vorbereitete Einsätze und weniger Abtippen: Was heute vom Regiezettel per Hand ins ERP-System übertragen wird, soll künftig automatisch erfasst werden. Ein Gebäude-EKG erfasst über Sensoren Störungen an Heizungsgeräten und meldet diese direkt an den zuständigen Handwerksbetrieb. Dieser kann dann umgehend Kontakt mit den Kundinnen und Kunden aufnehmen und einen Termin vereinbaren.

Wo sehen Sie den Mehrwert eines öffentlich geförderten Verbundvorhabens wie MEISTERWÄRME?
Im Forschungsprojekt können wir offene Standards definieren, mit denen Hersteller ihre Daten einmal bereitstellen und viele Tool-Anbieter sie gleichzeitig nutzen können. Der semantische Mediator ist dabei das Bindeglied: Er sorgt dafür, dass heute schon vorhandene Daten in diese gemeinsame Sprache übersetzt werden – statt dass jede Anwendung eine eigene Schnittstelle zu jedem System baut. Das steigert die Akzeptanz bei der Industrie und beschleunigt die Digitalisierung der ganzen Branche. Dazu betrachten wir die ganze Kette – von der Störungsmeldung über Diagnose und Arbeitsplan bis zu Einsatzplanung, Dokumentation und Ausbildung. Das ist Forschung mit offenem Ausgang, die nur im Verbund gelingt und einen öffentlichen Rahmen hat.

Welchen Beitrag leistet eine bessere, wissensbasierte Instandhaltung für die Wärmewende - etwa durch den effizienten und störungsarmen Betrieb von Heizungen und Wärmepumpen?
Die Wärmewende entscheidet sich nicht nur beim Einbau, sondern im Betrieb. Das Fraunhofer ISE hat vier Jahre lang 77 Wärmepumpen in Bestandsgebäuden vermessen: Luft-Wasser-Wärmepumpen kamen im Schnitt auf eine Jahresarbeitszahl von 3,4 – aber die Spanne reichte von 2,6 bis 4,9. Als Optimierungspotenzial nennt das Institut unter anderem überdimensionierte Anlagen und hohe Schalthäufigkeiten. Genau da setzt gute Instandhaltung an. Bei uns takten dank besserer Inspektions- und Wartungsprozesse und Fernwartung bereits über 70 Prozent der Anlagen weniger als tausendmal im Jahr. Und jede Stunde, die wir im Kundendienst einsparen, steht für den Einbau neuer Wärmepumpen zur Verfügung.

Die Informationen für das Interview wurden von der Hans Schramm GmbH zur Verfügung gestellt. Redaktion: Birgit Schneider, Wissenschaftsjournalistin beim Projektträger Jülich